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Besonders bemerkenswert an dieser Grafik ist, dass nachdem eine Ehe durch Tod oder Scheidung endete, die Menschen wieder anfälliger für Krankenhausaufenthalte werden, sogar anfälliger als nie verheiratete Singles. Menschen mit intimen Beziehungen sind widerstandsfähiger gegen Not, Unglück oder Missgeschick und können besser mit ihnen fertig werden. Professor Michael Argyle von der Universität Oxford, England, stellt deshalb schlicht und einfach fest: "Auf Sympathie beruhende Anteilnahme der anderen an uns kann unser Selbstwertgefühl erhöhen. Mitglied in einem gut funktionierenden sozialen Netzwerk (das sind Freunde, Verwandte und Kollegen) zu sein, kann uns das Gefühl geben besser mit unseren Alltagsproblemen fertig zu werden. Aber über alle Anteilnahme, Kameradschaft und Anerkennung hinaus, ist die Überzeugung geliebt zu werden die beste Heilmethode von allen."
Die Hauptvorteile intimer Beziehungen liegen erstens in der handfesten Hilfe, gegenseitigen Unterstützung und ihren gefühlsmäßigen Belohnungen (einschließlich Sex). Sie geben uns ein Gefühl der Geborgenheit, Gelassenheit, Sicherheit und Zufriedenheit und dienen so zur Aufrechterhaltung oder Hebung unseres Selbstwertgefühls und der Überzeugung, dass wir geliebt und geschätzt werden, unsere Probleme, Kummer und Sorgen mit jemandem teilen können, ernsthafte, intime Gespräche mit jemandem führen können und jemanden haben, der einen mag und mit Rat und Tat zur Seite steht, insbesondere wenn Not am Mann ist. Zweitens dienen intime Beziehungen dazu, dass man zu einem sozialen Netzwerk gegenseitiger Hilfe gehört. Mit der Hilfe anderer rechnen zu können, wirkt sich grundlegend auf unser Glück und Wohlbefinden aus. Menschen in einer festen Partnerschaft kommen deshalb mit ihren Alltagsproblemen einfach besser zurecht. Zwar sind auch sie oft allein, haben aber fast nie das quälende Gefühl einsam zu sein, wobei einsam zu sein bedeutet, dass man darunter leidet, nicht die Kontakte zu haben, die man haben will.
Aus dem ständig größer werdenden Stapel von weltweit mehr als 150 Studien über Ehe und Glück, will ich hier als Beispiel nur vier herausnehmen. In der ersten Studie hat Professor Monica Briscoe von der Universität Cambridge, England, das Glück von 652 Verheirateten und 152 Ledigen, die nie verheiratet waren, weder getrennt lebten, noch geschieden oder verwitwet waren, untersucht. Ihr Ergebnis habe ich in der folgenden Grafik zusammengefasst:
Glücksvergleich zwischen ledigen und verheirateten Frauen und Männern
Wie wir leicht sehen können, betrachten sich mehr Verheiratete als "sehr glücklich" als nie Verheiratete. Am glücklichsten sind die verheirateten Frauen (47 Prozent) und verheirateten Männer (38 Prozent). Wenn man allen weltweit durchgeführten Studien glauben darf - und das darf man -, sind verheiratete Frauen und Männer dauerhaft glücklicher als feste Partner, Singles, Verwitwete oder Geschiedene, und die weit verbreitete Meinung von den frei und flott, glücklich und sorglos dahin swingenden Singles entpuppt sich als unhaltbares Märchen. Allein zu leben ist weniger schön als mit einem Partner zusammen zu leben, gleichgültig ob man verheiratet ist, in "wilder Ehe" oder in homosexuellen oder lesbischen Partnerschaften zusammen lebt.
Die zweite Studie, die ich wiedergeben will, kommt - wie alle Studien aus den USA, Kanada, Großbritannien, Schweden, Norwegen, Finnland, der Schweiz und Deutschland – zu einem ähnlichen Ergebnis. Diese landesweit durchgeführte, repräsentativ für die Gesamtbevölkerung der USA ausgewählte Zufallsstichprobe, unterscheidet allerdings zwischen verheirateten, ledigen und geschiedenen Männern und Frauen und ihrer Meinung, ob sie "sehr glücklich" sind:
Anteil der sehr glücklichen Verheirateten, Singles und Geschiedenen
Mit einem Wort: Verheiratete sind glücklicher als Singles, und Singles sind glücklicher als Geschiedene. Zwar ist mehr als die Hälfte aller Singles auf sexuelle Null-Diät gesetzt, und auch sie haben Sehnsucht nach Zweisamkeit, aber sie werden mit diesem Problem besser fertig. Professor Pearl Dykstra hat in ihrer holländischen Studie bereits 1990 mit 322 durchgeführten Interviews herausgefunden, dass das Gefühl der Einsamkeit am wenigsten bei Verheirateten und denjenigen zu finden ist, die einen festen Partner haben. Im krassen Gegensatz dazu waren die verwitweten, geschiedenen und getrennt lebenden Interview-Teilnehmer die Einsamsten, und die nie verheirateten Singles lagen so zwischen drin und fühlten sich leidlich einsam. Professor Dykstra meint, dies sei wahrscheinlich deshalb der Fall, weil sie keine Zerstörung oder Verwüstung durch den Verlust eines geliebten Partners erlebt haben. Außerdem meint sie, die Langzeit-Singles könnten sich an ihr Single-Dasein im Laufe der Zeit gewöhnt und andere Rücklagen geschaffen haben, auf die sie zugreifen können, um ihre Bedürfnisse nach einem anderen Menschen zumindest teilweise befriedigen zu können.
Was das geringere Glück der Geschiedenen betrifft, so hat Dr. Michael Gähler von der Universität Stockholm, Schweden - übereinstimmend mit vielen international durchgeführten Studien -, in seiner schwedischen 10-jährigen Langzeitstudie (1981 bis 1991) bestätigt, dass Scheidung mit einer Anzahl von unangenehmen Veränderungen im Glück und Wohlbefinden einhergeht. Dementsprechend berichteten die von ihm befragten, mehr als 1.900 geschiedenen Schweden ebenfalls über ein schlechteres körperliches und mentales Wohlbefinden. Sie fühlten sich häufiger einsam, berichteten über mehr Probleme mit ihrem Job, mehr zwischenmenschlichen Problemen, und geschiedene Frauen – nicht aber geschiedene Männer – berichteten außerdem häufiger über finanzielle Einkommenseinbußen und gesunkenen Lebensstandard. Hinzu kommt nicht nur der Verlust der gefühlsmäßigen Unterstützung durch den bisherigen Partner, sondern auch eines Teils des bisherigen sozialen Netzwerks (Freude, Verwandte und Kollegen des bisherigen Partners), nicht nur gerade dann, wenn man sie am nötigsten braucht – während der Scheidung -, sondern auch danach, bis man einen neuen Partner gefunden hat. Wie bereits gesagt, sind gegenseitige Unterstützung und ein gut funktionierendes soziales Netzwerk nicht nur wertvoll an sich, sondern beide beeinflussen auch positiv unser körperliches und mentales Wohlbefinden stark, insbesondere die Art und Weise, wie wir, nicht nur in Lebenskrisen mit uns und der Welt fertig werden. Warum sind Geschiedene also unglücklicher als Menschen mit einer gut funktionierenden Partnerschaft?
Zur Zeit gibt es drei Erklärungsmodelle dafür. Das erste Erklärungsmodell ist das Krisenmodell. Es besagt, dass nicht nur die Scheidung an sich die Ursache ihres geringeren Glücks ist, sondern auch, dass beide Geschiedenen an langfristigem "Trennungsschmerz" leiden, und zwar unabhängig davon, welcher Partner die Scheidung gewollt hat. Zwar mag die Scheidung ein Gefühl der Erlösung aus einer nicht mehr funktionierenden, länger ertragbaren, unbefriedigenden Beziehung sein, aber oft leiden beide ehemaligen Partner mehrere Jahre, und falls sie keinen neuen Partner finden, Jahrzehnte lang unter den Folgewirkungen ihrer Scheidung.
Das zweite Erklärungsmodell für das geringere Glück der Geschiedenen ist das gesellschaftliche Auswahlmodell. Dieses Modell besagt, dass Geschiedene aus der Ehe heraus gewählt werden, und das bedeutet, dass ihr Glück und Wohlbefinden durch die Scheidung nicht negativ beeinträchtigt wird. Ersatzweise nimmt dieses Modell an, dass Ehepartner, die bereits während ihrer Ehe unter mentalen Problemen leiden (oder unglücklich sind), ein erhöhtes Scheidungsrisiko haben und ihr Glück und Wohlbefinden bereits vor der Scheidung ziemlich gering war.
Das dritte Erklärungsmodell für das geringere Glück der Geschiedenen schließlich ist das wirtschaftliche Verarmungsmodell. Wie schon gesagt, verursacht Scheidung bei den Frauen oft finanzielle Einbußen und einen gesunkenen Lebensstandard. In der Psychologie weiß man seit langem, dass Angst, Sorgen, Niedergeschlagenheit und Depressionen häufiger bei Menschen mit geringem Einkommen, wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Armut zu finden sind. Hinzu kommt noch, dass Geschiedene ein erhöhtes Risiko für andere, stressige Lebensereignisse haben, nämlich ein erhöhtes Unfallrisiko, Arbeitsplatzrisiko, unfreiwilliges Umzugsrisiko und Opfer eines Verbrechens zu werden. Soweit die schlechte Nachricht. – Die gute Nachricht ist, dass die eben genannten erhöhten Risiken am höchsten kurz nach der Scheidung sind, im Laufe der Zeit aber abnehmen und schließlich völlig verschwinden.
Doch jetzt "Schluss mit dem Leid!" Zurück zu den gut funktionierenden Partnerschaften und unserem Glück. Als am glücklichsten bezeichneten sich im Rahmen einer Schweizer Studie von Professor Willi Jürg, diejenigen Verheirateten, die ihre "große Liebe" geheiratet haben. Folglich ist, seine große Liebe geheiratet zu haben - selbst nach jahrzehntelanger Ehe - die beste Voraussage für ein lang anhaltendes Eheglück. Man muss aber nicht unbedingt seine große Liebe geheiratet haben, um ziemlich oder sehr glücklich zu sein. Fast genau so glücklich, wie die, die ihre große Liebe geheiratet haben, sind diejenigen, die verliebt in ihren Partner sind. Verliebt in seinen Partner zu sein, führt also fast genau so oft zu einer glücklichen Partnerschaft, wie seine große Liebe geheiratet zu haben:

Der Zusammenhang zwischen verliebt in seinen Ehepartner und sehr glücklich sein
An den Ergebnissen der Schweizer Studie ist sehr viel Wahres dran, denn Liebesbeziehungen sind das Beste in unserem Leben. Sie sind zwar keine Garantie für ein glückliches Leben, aber unsere wichtigste, äußere Quelle fürs Glück und Wohlbefinden. Im Kern geben sie erst unserem Leben seinen Wert. Was hast du denn schon wirklich Wertvolles auf dieser Welt als deinen Partner oder Freund? Ein afrikanisches Sprichwort sagt regelrecht: "Der Mensch ist Medizin für den Menschen". Denn unser Glück und Wohlbefinden (und ein gesünderes und längeres Leben) wird von intimen Beziehungen stärker beeinflusst als von allem andern. Die besten und damit wichtigsten Ereignisse in unserem Leben sind deshalb einen Partner oder Freund zu finden und mit ihm zusammen zu bleiben. Deshalb ist die große Liebe auch immer noch die Idealvorstellung aller Deutschen. Für jeden Dritten ist der Partner das Wichtigste überhaupt, und fast 75 Prozent träumen von der Liebe fürs Leben. Sie wünschen sich eine dauerhafte, harmonische Liebesbeziehung, und zu dieser traumhaften, langlebigen Partnerschaft gehört selbstverständlich auch ein ekstatisches und nie erlahmendes Sexleben. Sie wollen beides: In die Tiefe gehende, angenehme Gefühle auf Dauer und wilden Sex.
Angesichts der Tatsache, dass die meisten Ehepartner sich Kinder wünschen, sind amerikanische Erkenntnisse ernüchternd, die beweisen, dass sich die Gegenwart von Kindern eher negativ auf das Eheglück auswirkt. So fanden beispielsweise Professor Angus Campbell und sein Team bereits 1976 im Rahmen ihrer - als klassisch bezeichneten - Studie "The Quality of American Life" heraus, dass Verheiratete ohne Kinder über mehr Glück in der Ehe berichteten als Verheiratete mit Kindern. Auch zahlreiche Folgestudien kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Professor Grace Baruch und ihre Kollegin zum Beispiel untersuchten in ihrer Studie die Auswirkungen der Berufsrolle, Mutterrolle und Rolle als Ehefrau in einer Zufallsstichprobe von 238 berufstätigen Müttern, im Alter zwischen 35 und 55 Jahren aus der amerikanischen Mittelschicht, auf ihr Selbstwertgefühl, Glück und Zufriedenheit. Dabei kam heraus, dass ihre Berufsrolle 20 Prozent zu ihrem Selbstwertgefühl und 31 Prozent zu ihrem Glück und Zufriedenheit beitrug. Ihre Rolle als Ehefrau trug 16 Prozent zu ihrem Selbstwertgefühl und 47 Prozent zu ihrem Glück und Zufriedenheit bei. Ihre Mutterrolle trug 18 Prozent zu ihrem Selbstwertgefühl und 9 Prozent zu ihrem Glück und Zufriedenheit bei. Das Ergebnis dieser Studie ist, dass ihre Berufsrolle am meisten (20 Prozent) zu ihrem Selbstwertgefühl und ihre Rolle als Ehefrau am meisten (47 Prozent) zu ihrem Glück und Zufriedenheit beitrug. Die Mutterrolle sagt - nachdem Bilanz gezogen wurde - demnach kein Vergnügen voraus, wie das folgende Schaubild kurz zusammenfasst:

Zusammenhänge zwischen der Mutterrolle, Berufsrolle und Rolle als Ehefrauund dem Selbstwertgefühl und Glück
Alles in einem Satz: Am starken Zusammenhang zwischen Partnerschaft und Glück bestehen keinerlei Zweifel. Noch nicht ausreichend geklärt ist aber die Frage, ob die Partnerschaft die Ursache des größeren Glücks ist oder ob glückliche Menschen von vornherein bessere Heiratschancen auf dem Heiratsmarkt hatten und bereits vor Beginn ihrer Partnerschaft glücklicher waren als Singles. Anders herum ausgedrückt: Macht von Haus aus glücklich zu sein, die Bahn frei für aufrichtige Liebe und langfristige Liebesbeziehungen? Befähigt größere Lebensfreude uns von vornherein dazu, intime Beziehungen eingehen, aufrecht erhalten und Verantwortung für andere Menschen übernehmen zu können? Erhöht Freude am Leben die Heiratschancen auf dem Heiratsmarkt, oder ist es die Partnerschaft, die das größere Glück mit sich bringt? Ist glücklich zu sein die Ursache oder die Folge für das größere Glück der Verheirateten? Vielleicht sind Menschen mit einer festen Partnerschaft nicht deshalb glücklicher als Singles, weil sie einen festen Partner haben, sondern weil sie schon vorher glücklicher waren und deshalb die besseren Heiratschancen auf dem Heiratsmarkt hatten?
Ich will alles darüber wissen ...
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