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Früher haben wir
geglaubt, dass das Glück in den Sternen stünde. Heute wissen wir
sicher, dass es zu rund fünfzig Prozent in unseren Genen
liegt. - Alles ist ganz
einfach: Die größten Wahrheiten sind im Grunde ganz trivial. Wir brauchen keinen Lottogewinn und keine
großen
Lebensereignisse um
glücklich zu sein. Alles was wir brauchen ist mental gesund zu sein, ein gut funktionierendes Nervensystem und intime Beziehungen (einschließlich Sex) oder gute
Freunde zu haben. Am allerbesten ist aber verliebt zu sein. Das ist das Wichtigste auf dieser Welt, mag Buddhismus, Jingoismus, UFOlogie, Horoskope oder andere Heilslehren das Wichtigste in der anderen Welt sein.
Das Leben pocht an die Tür und will etwas sein.
Das leuchtet auch jedem von uns sofort ein, angesichts der Tatsache,
dass alle Menschen das Beste aus ihrem Leben machen wollen. Wir alle
strampeln begierig - wie hungrige Tiere - auf der Tretmühle des
Lustprinzips nach dem nächsten, bestmöglichen Augenblick und gestalten
unser Leben dabei so, wie wir wollen, wie wir können, wie es uns passt
und uns gefällt.
Das Trachten nach Glück ist deshalb von zentraler Bedeutung für
unser aller Leben. Es hat nicht nur einen sehr großen Überlebenswert für uns, weil es dafür sorgt, dass wir uns täglich aufraffen, schaffen und dass wir gesund und munter bleiben, sondern festigt
und erhält auch unsere intimen Beziehungen.
Ein Mensch kann groß, reich, berühmt, stark, mächtig und schön sein, aber das
Beste ist, wenn er glücklich ist. Sowohl ein augenblickliches
Glücksgefühl – das am meisten begehrte Gefühl -, noch mehr aber das glückliche Leben sind das Unübertreffliche, das NON PLUS ULTRA. Mehr geht beim besten Willen nicht.
Mehr gibt es nicht. Mehr ist nicht drin.
Das Glück war und ist deshalb, für fast alle Menschen, zu allen Zeiten und an allen Orten die geheime Triebfeder hinter allem, was sie tun. Nach ihm streben alle, ob Knacki oder Multi-Milliardär, Hausfrau oder Filmstar. Sind wir glücklich, dann
haben wir alles. Wenn wir aber unglücklich sind, tun wir alles, um wieder glücklicher zu werden.
Die Hightech-Hirn- und Genforschung kommt - nur aus einem
andern Blickwinken - zum gleichen Ergebnis: Ein paar Botenstoffe sind die
biochemischen Baustoffe zum Aufbau unseres
Glücks und Wohlbefindens. Körpereigene Stimmungsmacher wie Dopamin, Serotonin, die Endorphine und Noradrenalin
und bestimmte Sex-Hormone wie Testosteron, Oxytocin und die Östrogene
steuern unser Glück und Wohlbefinden.
Die Endorphine - unser körpereigenes Morphium - machen Unangenehmes weniger unangenehm,
lindern Schmerzen und erzeugen in hohen Dosen träumerische
Glückseligkeit. Selbst in unserem letzten Augenblick, wenn das Leben verlischt, tragen sie zu
einem schönen Sterbens bei.
Dopamin gibt unter anderem wichtige Anstöße im hormonellen Bereich und greift
so in unser
sexuelles Begehren, Sex und Geschlechtsverkehr ein. Leider wirken diese Wunderdrogen aber nur
sehr kurz. Die Halbwertzeit der Endorphine beträgt gerade mal fünf Minuten, dann ist die Hälfte schon wieder abgebaut, und unser Gehirn braucht einen neuen
Kick. Es bedarf also unzähliger Reize, um uns immer wieder in einen angenehmen Gemütszustand zu versetzen.
Kein höchster Augenblick des Glücks - und das
ist das Allerschönste dabei - einmal erlebt, geht je wieder verloren.
Einmal erlebt, kann es für immer bleibend sein. Jahre, Jahrzehnte
mögen vergehen, aber die Erinnerungen an unsere Glücksgipfel können ein Leben lang bestehen
bleiben.
Das exakte Gegenteil des Glücks sind chronisch
schlechte Stimmung, Niedergeschlagenheit und Depression. Sein größter Störenfried ist die Angst,
das lebensnotwendige und giftigste aller Gefühle. Wenn sie kommt, verschwindet das Glück.
Die Angst und ihre ganze verwandte Angst beladene Brut wie
Angstgefühle, Kummer und Sorgen und ängstliche Befürchtungen,
Schüchternheit, Ärger und Gehemmtheit uns innerhalb der ersten 0,3
Sekunden, von Beginn an, daran,
glücklicher zu werden und ein glücklicheres Leben haben zu können.
Leider reichen die zuerst genannten Glücksgipfel nicht aus, damit wir uns dauerhaft wohl fühlen und glücklich sind.
Gott sei Dank! ist aber der Spielraum des Glücks wesentlich
breiter als die selten erlebten Glücksgipfel. Tatsächlich ist das
Glück eher eine individuell unterschiedlich dauerhafte, mentale
Wesensart der Persönlichkeit, als ein flüchtiger Gefühlszustand. Deshalb besteht es
auch nicht aus unseren höchsten, aber selten erlebten Glücksgipfeln, sondern aus den
vielen, kleinen
angenehmen Gefühlen und Freuden, die wir täglich erleben –,
wie eine ständig angenehme Hintergrundmusik.
Was wirklich zählt
Was wirklich zählt ist unser ganz persönliches, inneres Leben: Unsere
Erlebnisse, Empfindungen, Gefühle und Erfahrungen. Was immer wir auch tun, was immer uns begegnet, lässt Gefühle in uns anklingen, flüchtige oder anhaltende, zarte oder heftige, erfreuliche, niederdrückende oder beängstigende. Wir sind
von Natur aus nun mal so gemacht, dass wir gefühlsmäßig
empfinden und reagieren (müssen). Alles was da kreucht und fleucht - ob
Goldfische, Schildkröten, Hamster, Mäuse, Affen oder Menschen - will
einen angenehmen Zustand erreichen oder aufrecht erhalten und Schaden
vermeiden. Zwei evolutionäre Grundneigungen und Fähigkeiten, nämlich sich der Welt anzunähern, um sich von ihr etwas Angenehmes zu beschaffen oder von ihr zurückzuweichen um Schaden zu vermeiden, sind deshalb die zwei Naturkräfte und Schlüsselfaktoren nicht nur allen Lebens, sondern auch unserer Persönlichkeit und Glücks.
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Wer ist glücklich?
Unglückliche Menschen tun sich
schwerer ihre unangenehmen Gefühle und Gedanken wieder los zu werden. Was Ihnen fehlt,
ist die Schnelligkeit und Leichtigkeit sie schnell wieder aus ihrem Kopf
zu werfen. Sie müssen erst oft lange darüber nachdenken, worüber sie
sich freuen könnten, aber was sie ängstigt, besorgt, traurig, wütend
macht oder niederdrückt, das fällt ihnen immer als Erstes ein.
Alles Unangenehme zieht ihre Aufmerksamkeit schneller an
und hält sie auch länger aufrecht. Von den fünf Gefühlen Angst, Sorgen,
Traurigkeit,
Wut und Freude, sind ihre am leichtesten in Gang zu setzenden und
aufrecht zu erhaltenden Gefühle Angst, Sorgen, Wut und
Traurigkeit -, aber nicht Freude. Das, was sie immer als Erstes an sich bemerken, ist immer
nur der unangenehmere Teil von ihnen. Es fällt ihnen immer als Erstes auf, was sie nicht haben, was sie bedrückt und ihnen fehlt, als das, was sie haben Freude
und Spaß macht. Sie bemerken immer zuerst, was sie ängstigt und besorgt, als das, was sie erfreut und glücklicher macht.
Denn, in allen glücklichen Momenten vergessen wir uns selbst und werden erst wieder durch
unsere Sorgen und Befürchtungen an uns selbst zurück erinnert. Und so wird meist, wer über sich selbst nachdenkt,
immer zuerst das Bekümmernde, Besorgnis erregende, Ängstigende, Bedrückende und Fehlende bemerken, wodurch er noch mehr in sich zusammensinkt. In
seinen Gedanken ist zwar viel Klarheit, aber auch viel Trugschluss.
´ Genau entgegengesetzt beurteilen glückliche Menschen nicht nur sich selbst, sondern ihr Leben und die Welt im Ganzen. Sie erinnern sich nicht nur schneller, leichter und häufiger an bereits erlebte, erfreuliche Erlebnisse, sondern
ihre gute Stimmung ermöglicht es ihnen auch geistig flexibler zu sein und
neue Antworten zu suchen und zu finden.
Verglichen mit unglücklichen Menschen sind glückliche Menschen vor allem empfindlicher für alle
Belohnungsanreize egal welcher Art, gefühlsmäßig ausgeglichener, aus sich herausgehender, weniger
ich-bezogen, ängstlich, feindselig, schuldbewusst, beleidigend, verwirrt und verärgert.
Glückliche Menschen fühlen sich gesünder und sind mental
(das heißt auf Deutsch: gefühlsmäßig-gedanklich) gesünder,
mit den erfreulichen Folgen, dass sie entspannter, besser organisiert, aktiver, verzeihender, aufgeschlossener,
warmherziger und anhänglicher, zuversichtlicher, selbständiger und
weniger abhängig, vertrauensvoller, zufriedener, selbstsicherer und
bestimmter, anpassungsfähiger, energischer, entscheidungsfreudiger,
hilfsbereiter, kontaktfreudiger, zwischenmenschlich
geschickter und erfolgreicher, unterhaltsamer, geselliger und
überhaupt attraktiver und allgemein beliebter sind.
Außerdem beurteilen sie neutrale Ereignisse vorteilhafter für
sich selbst, haben wenig bis gar keine persönlichen Probleme, klagen fast nie über Gesundheitsbeschwerden, haben eine
Erfolg versprechende Lebensart, kennen und akzeptieren sich selbst besser, haben ein hohes Selbstwertgefühl und ganz allgemein eine gesunde Persönlichkeit. Sie kümmern sich mehr um ihre Mitmenschen, haben ein
reicheres Leben und mehr Freude am Leben, sind lebhafter und lebendiger, heiraten früher und haben, wegen ihrer innerlich wie äußerlich angenehmeren Persönlichkeit, mehr Freunde.
Auch wie sie sich, ihre Zukunft, das Leben und die Welt empfinden, also ihre Empfindsamkeit und darauf
aufbauend ihre Vorlieben und Vorhaben kennen wir sehr gut. Sie sehen stets eher die hellen als düsteren Seiten des Lebens, sehen
anfangs in jedem Menschen zuerst einen möglichen Freund, sind gegenwarts- und zukunftsorientiert, haben optimistische Erwartungen, ganz besonders für sich selbst, überwiegend
Erfolg versprechende Denk-, Erklärungs- und Verhaltensweisen, eher
maßvolle Ziele und Erfolg verheißende Illusionen. Es macht ihnen mehr Spaß für das Jetzt zu leben,
als zu unpassender Zeit gedankenverloren um vergangenes Leid oder
zukünftige Sorgen zu grübeln. Sie wollen Neues erleben, machen sich wenig bis gar keine Sorgen und fühlen sich
stärker verpflichtet glücklich zu sein.
Auch in der Lebensart unterscheiden sich Glückskinder von Unglückswürmern. Beide führen
ihr Leben lang vollkommen verschiedene Leben. Glückskinder führen
ein gut ausbalanciertes, aktiv eingreifendes, an allem Möglichen
teilnehmendes, erregendes, durch Lust- und Belohnungshappen aller Art motiviertes und energiegeladenes Leben. Sie haben enge Beziehungen mit
ihren Bekannten, Kollegen, Freunden und in der eigenen Familie. Sie sind stets rege und aktiv und ziemlich tatkräftig. In ihrer Freizeit machen sie das,
was angenehm, erregend und erfreulich für sie ist und ihnen Spaß macht,
ihnen also Belohnungshappen verschafft. Was sie tun, hat Sinn für sie. Außerdem haben sie ein breites Spektrum an intellektuellen Interessen und gegenwärtig eine feste intime Beziehung, ohne ernsthafte Probleme.
Alles in allem, sind glückliche Menschen mental gesunde
Menschen. Wer glücklich ist, ist mental gesund. Im Vertrauen, unter uns gesagt, glauben viele
Leute auch, dass
sie bessere Menschen seien, und manche
glauben sogar, dass sie eher in den Himmel kämen.
Glücklich zu sein ist deshalb von erstrangiger Bedeutung für uns alle. Es ist schlicht und einfach eine Sache, die es
mehr als wert ist, angekurbelt und gesteigert zu werden. Zuerst und
vor allem sei deshalb glücklich!
Glückliche Menschen sind nicht nur "Okay",
sondern sogar so
"Okay", dass sie gleichsam das Musterexemplar der mental gesunden
Persönlichkeit darstellen.
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