Glücksforschung
Wie man wirklich glücklicher wird

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Auszug aus der Erstauflage unseres Buches (Stand 2001):


1. Herzlich willkommen!

Früher haben wir geglaubt, dass das Glück in den Sternen stünde. Heute wissen wir sicher, dass es zu rund fünfzig Prozent in unseren Genen liegt. - Alles ist ganz einfach: Die größten Wahrheiten sind im Grunde ganz trivial. Wir brauchen keinen Lottogewinn und keine großen Lebensereignisse um glücklich zu sein. Alles was wir brauchen ist mental gesund zu sein, ein gut funktionierendes Nervensystem und intime Beziehungen (einschließlich Sex) oder gute Freunde zu haben. Am allerbesten ist aber verliebt zu sein. Das ist das Wichtigste auf dieser Welt, mag Buddhismus, Jingoismus, UFOlogie, Horoskope oder andere Heilslehren das Wichtigste in der anderen Welt sein.
     Das Leben pocht an die Tür und will etwas sein. Das leuchtet auch jedem von uns sofort ein, angesichts der Tatsache, dass alle Menschen das Beste aus ihrem Leben machen wollen. Wir alle strampeln begierig - wie hungrige Tiere - auf der Tretmühle des Lustprinzips nach dem nächsten, bestmöglichen Augenblick und gestalten unser Leben dabei so, wie wir wollen, wie wir können, wie es uns passt und uns gefällt.
    Das Trachten nach Glück ist deshalb von zentraler Bedeutung für unser aller Leben. Es hat nicht nur einen sehr großen Überlebenswert für uns, weil es dafür sorgt, dass wir uns täglich aufraffen, schaffen und dass wir gesund und munter bleiben, sondern festigt und erhält auch unsere intimen Beziehungen.
   Ein Mensch kann groß, reich, berühmt, stark, mächtig und schön sein, aber das Beste ist, wenn er glücklich ist. Sowohl ein augenblickliches Glücksgefühl – das am meisten begehrte Gefühl -, noch mehr aber das glückliche Leben sind das Unübertreffliche, das NON PLUS ULTRA. Mehr geht beim besten Willen nicht. Mehr gibt es nicht. Mehr ist nicht drin.
    Das Glück war und ist deshalb, für fast alle Menschen, zu allen Zeiten und an allen Orten die geheime Triebfeder hinter allem, was sie tun. Nach ihm streben alle, ob Knacki oder Multi-Milliardär, Hausfrau oder Filmstar. Sind wir glücklich, dann haben wir alles. Wenn wir aber unglücklich sind, tun wir alles, um wieder glücklicher zu werden.
   Die Hightech-Hirn- und Genforschung kommt - nur aus einem andern Blickwinken - zum gleichen Ergebnis: Ein paar Botenstoffe sind die biochemischen Baustoffe zum Aufbau unseres Glücks und Wohlbefindens. Körpereigene Stimmungsmacher wie Dopamin, Serotonin, die Endorphine und Noradrenalin und bestimmte Sex-Hormone wie Testosteron, Oxytocin und die Östrogene steuern unser Glück und Wohlbefinden.
     Die Endorphine - unser körpereigenes Morphium - machen Unangenehmes weniger unangenehm, lindern Schmerzen und erzeugen in hohen Dosen träumerische Glückseligkeit. Selbst in unserem letzten Augenblick, wenn das Leben verlischt, tragen sie zu einem schönen Sterbens bei.
   Dopamin gibt unter anderem wichtige Anstöße im hormonellen Bereich und greift so in unser sexuelles Begehren, Sex und Geschlechtsverkehr ein. Leider wirken diese Wunderdrogen aber nur sehr kurz. Die Halbwertzeit der Endorphine beträgt gerade mal fünf Minuten, dann ist die Hälfte schon wieder abgebaut, und unser Gehirn braucht einen neuen Kick. Es bedarf also unzähliger Reize, um uns immer wieder in einen angenehmen Gemütszustand zu versetzen.
   Kein höchster Augenblick des Glücks - und das ist das Allerschönste dabei - einmal erlebt, geht je wieder verloren. Einmal erlebt, kann es für immer bleibend sein. Jahre, Jahrzehnte mögen vergehen, aber die Erinnerungen an unsere Glücksgipfel können ein Leben lang bestehen bleiben.
   Das exakte Gegenteil des Glücks sind chronisch schlechte Stimmung, Niedergeschlagenheit und Depression. Sein größter Störenfried ist die Angst, das lebensnotwendige und giftigste aller Gefühle. Wenn sie kommt, verschwindet das Glück. Die Angst und ihre ganze verwandte Angst beladene Brut wie Angstgefühle, Kummer und Sorgen und ängstliche Befürchtungen, Schüchternheit, Ärger und Gehemmtheit uns innerhalb der ersten 0,3 Sekunden, von Beginn an, daran, glücklicher zu werden und ein glücklicheres Leben haben zu können.
   Leider reichen die zuerst genannten Glücksgipfel nicht aus, damit wir uns dauerhaft wohl fühlen und glücklich sind. Gott sei Dank!  ist aber der Spielraum des Glücks wesentlich breiter als die selten erlebten Glücksgipfel. Tatsächlich ist das Glück eher eine individuell unterschiedlich dauerhafte, mentale Wesensart der Persönlichkeit, als ein flüchtiger Gefühlszustand. Deshalb besteht es auch nicht aus unseren höchsten, aber selten erlebten Glücksgipfeln, sondern aus den vielen, kleinen angenehmen Gefühlen und Freuden, die wir täglich erleben –, wie eine ständig angenehme Hintergrundmusik.

Was wirklich zählt
   Was wirklich zählt ist unser ganz persönliches, inneres Leben: Unsere Erlebnisse, Empfindungen, Gefühle und Erfahrungen. Was immer wir auch tun, was immer uns begegnet, lässt Gefühle in uns anklingen, flüchtige oder anhaltende, zarte oder heftige, erfreuliche, niederdrückende oder beängstigende. Wir sind von Natur aus nun mal so gemacht, dass wir gefühlsmäßig empfinden und reagieren (müssen). Alles was da kreucht und fleucht - ob Goldfische, Schildkröten, Hamster, Mäuse, Affen oder Menschen - will einen angenehmen Zustand erreichen oder aufrecht erhalten und Schaden vermeiden. Zwei evolutionäre Grundneigungen und Fähigkeiten, nämlich sich der Welt anzunähern, um sich von ihr etwas Angenehmes zu beschaffen oder von ihr zurückzuweichen um Schaden zu vermeiden, sind deshalb die zwei Naturkräfte und Schlüsselfaktoren nicht nur allen Lebens, sondern auch unserer Persönlichkeit und Glücks.

Wer ist glücklich?
   Unglückliche Menschen tun sich schwerer ihre unangenehmen Gefühle und Gedanken wieder los zu werden. Was Ihnen fehlt, ist die Schnelligkeit und Leichtigkeit sie schnell wieder aus ihrem Kopf zu werfen. Sie müssen erst oft lange darüber nachdenken, worüber sie sich freuen könnten, aber was sie ängstigt, besorgt, traurig, wütend macht oder niederdrückt, das fällt ihnen immer als Erstes ein.
   Alles Unangenehme zieht ihre Aufmerksamkeit schneller an und hält sie auch länger aufrecht. Von den fünf Gefühlen Angst, Sorgen, Traurigkeit, Wut und Freude, sind ihre am leichtesten in Gang zu setzenden und aufrecht zu erhaltenden Gefühle Angst, Sorgen, Wut und Traurigkeit -, aber nicht Freude. Das, was sie immer als Erstes an sich bemerken, ist immer nur der unangenehmere Teil von ihnen. Es fällt ihnen immer als Erstes auf, was sie nicht haben, was sie bedrückt und ihnen fehlt, als das, was sie haben Freude und Spaß macht. Sie bemerken immer zuerst, was sie ängstigt und besorgt, als das, was sie erfreut und glücklicher macht.
   Denn, in allen glücklichen Momenten vergessen wir uns selbst und werden erst wieder durch unsere Sorgen und Befürchtungen an uns selbst zurück erinnert. Und so wird meist, wer über sich selbst nachdenkt, immer zuerst das Bekümmernde, Besorgnis erregende, Ängstigende, Bedrückende und Fehlende bemerken, wodurch er noch mehr in sich zusammensinkt. In seinen Gedanken ist zwar viel Klarheit, aber auch viel Trugschluss.
´  Genau entgegengesetzt beurteilen glückliche Menschen nicht nur sich selbst, sondern ihr Leben und die Welt im Ganzen. Sie erinnern sich nicht nur schneller, leichter und häufiger an bereits erlebte, erfreuliche Erlebnisse, sondern ihre gute Stimmung ermöglicht es ihnen auch geistig flexibler zu sein und neue Antworten zu suchen und zu finden.
   Verglichen mit unglücklichen Menschen sind glückliche Menschen vor allem empfindlicher für alle  Belohnungsanreize egal welcher Art, gefühlsmäßig ausgeglichener, aus sich herausgehender, weniger ich-bezogen, ängstlich, feindselig, schuldbewusst, beleidigend, verwirrt und verärgert. 
   Glückliche Menschen  fühlen sich gesünder und sind mental (das heißt auf Deutsch: gefühlsmäßig-gedanklich) gesünder, mit den erfreulichen Folgen, dass sie entspannter, besser organisiert, aktiver, verzeihender, aufgeschlossener, warmherziger und anhänglicher, zuversichtlicher, selbständiger und weniger abhängig, vertrauensvoller, zufriedener, selbstsicherer und bestimmter, anpassungsfähiger, energischer, entscheidungsfreudiger, hilfsbereiter, kontaktfreudiger, zwischenmenschlich geschickter und erfolgreicher, unterhaltsamer, geselliger und überhaupt attraktiver und allgemein beliebter sind.
   Außerdem beurteilen sie neutrale Ereignisse vorteilhafter für sich selbst, haben wenig bis gar keine persönlichen Probleme, klagen fast nie über Gesundheitsbeschwerden, haben eine Erfolg versprechende Lebensart, kennen und akzeptieren sich selbst besser, haben ein hohes Selbstwertgefühl und ganz allgemein eine gesunde Persönlichkeit. Sie kümmern sich mehr um ihre Mitmenschen, haben ein reicheres Leben und mehr Freude am Leben, sind lebhafter und lebendiger, heiraten früher und haben, wegen ihrer innerlich wie äußerlich angenehmeren Persönlichkeit, mehr Freunde.
   Auch wie sie sich, ihre Zukunft, das Leben und die Welt empfinden, also ihre Empfindsamkeit und darauf aufbauend  ihre Vorlieben und Vorhaben kennen wir sehr gut. Sie sehen stets eher die hellen als düsteren Seiten des Lebens, sehen anfangs in jedem Menschen zuerst einen möglichen Freund, sind gegenwarts- und zukunftsorientiert, haben optimistische Erwartungen, ganz besonders für sich selbst, überwiegend Erfolg versprechende Denk-, Erklärungs- und Verhaltensweisen, eher maßvolle Ziele und Erfolg verheißende Illusionen. Es macht ihnen mehr Spaß für das Jetzt zu leben, als zu unpassender Zeit gedankenverloren um vergangenes Leid oder zukünftige Sorgen zu grübeln. Sie wollen Neues erleben, machen sich wenig bis gar keine Sorgen und fühlen sich stärker verpflichtet glücklich zu sein.
   Auch in der Lebensart unterscheiden sich Glückskinder von Unglückswürmern. Beide führen ihr Leben lang vollkommen verschiedene Leben. Glückskinder führen ein gut ausbalanciertes, aktiv eingreifendes, an allem Möglichen teilnehmendes, erregendes, durch Lust- und Belohnungshappen aller Art motiviertes und energiegeladenes Leben. Sie haben enge Beziehungen mit ihren Bekannten, Kollegen, Freunden und in der eigenen Familie. Sie sind stets rege und aktiv und ziemlich tatkräftig. In ihrer Freizeit machen sie das, was angenehm, erregend und erfreulich für sie ist und ihnen Spaß macht, ihnen also Belohnungshappen verschafft. Was sie tun, hat Sinn für sie. Außerdem haben sie ein breites Spektrum an intellektuellen Interessen und gegenwärtig eine feste intime Beziehung, ohne ernsthafte Probleme.
     Alles in allem, sind glückliche Menschen mental gesunde Menschen. Wer glücklich ist, ist mental gesund. Im Vertrauen, unter uns gesagt, glauben viele Leute auch, dass sie bessere Menschen seien, und manche glauben sogar, dass sie eher in den Himmel kämen.
      Glücklich zu sein ist deshalb von erstrangiger Bedeutung für uns alle. Es ist schlicht und einfach eine Sache, die es mehr als wert ist, angekurbelt und gesteigert zu werden. Zuerst und vor allem sei deshalb glücklich!
   
Glückliche Menschen sind nicht nur "Okay", sondern sogar so "Okay", dass sie gleichsam das Musterexemplar der mental gesunden Persönlichkeit darstellen.

Ich will alles darüber wissen ...



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