Bernd  Hornung
Deutschlands führender
Glückswissenschaftler




Die Erfolgsstory von Flibanserin

Weil Viagra® einer der größten Erfolge in der Geschichte der Arzneimittel-Industrie ist, will der deutsche Pharmahersteller Boehringer Ingelheim seinen sexuellen Wunderstoff lieber heute als morgen auf den Weltmarkt bringen: Ein Mittel, das als erstes bei Frauen mehr Lust auf Sex direkt im Gehirn weckt. Damit will er Millionen von Frauen beglücken. „Das Bedürfnis, ein Mittel für die weibliche Sexualität zu finden, ist riesengroß. Flibanserin ist der erste Wirkstoff, welcher die weibliche Lust auf Sex zu entfachen scheint.“
   Nach zehn Jahren vergeblicher Suche hat Boehringer Ingelheim tatsächlich eine Substanz entwickelt, die Frauen mit sehr wenig sexueller Lust munterer machen kann. Als Pille eingenommen, steigt seine Wirkung innerhalb kurzer Zeit ins größte Sex-Organ des Menschen: sein Gehirn. Hier wirkt es direkt und entfaltete bereits bei fast 2.000 Versuchsteilnehmerinnen eine ausgesprochen Erfolg versprechende Wirkung. „Flibanserin scheint sie zu ermutigen aktiv Sex zu suchen, was umgekehrt wiederum die sexuelle Erregung der Männer erhöht.“
   Die letzten klinischen Versuche der Phase III sind äußerst befriedigend verlaufen. Schließlich geht alles, was mit Sex irgendwie zu tun hat, früher oder später zwangsläufig auf besseren Lifestyle hinaus. Dass auch normal gesunde Männer Flibanserín zu sich nehmen werden, um sofort eine bessere Erektion zu bekommen, ist deshalb gar nicht auszuschließen.
   Sex und Orgasmus entstehen im Kopf, genauer gesagt im Hypothalamus und Vorderhirn, Hirnregionen, die zu unserem Lust- und Belohnungssystem gehören. Darin haben Hirnforscher unlängst entdeckt, dass sie immer dann aktiver werden, wenn wir sexuell erregt sind. Immer besser wissen wir jetzt, wie die Biochemie der Lust und Liebe im Gehirn abläuft und über das Rückenmark hinab in die Geschlechtsorgane wirkt.
   Viagra® ist keine Lustpille. Der Wirkansatz und -ort des jedem bekannte Potenzmittels ist ihr Penis, nicht ihr Kopf. Sein Wirkstoff Sildenafil wirkt dadurch, dass er einen starken chemischen Widersacher der Erektion, das Enzym Phosphodiesterase-5 (PDE-5), lahm legt. Für Frauen dagegen ist ihr Gehirn - nicht ihr Unterleib - ihre wichtigste erogene Zone.
   Die Verschreibung des PDE-5-Hemmers Viagra® hat die Behandlung der Impotenz in den letzten Jahren von Grund auf verändert. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Lendenlahme drei bis fünf Jahre lang, viermal wöchentlich, je eine Stunde, auf die Couch eines Psychoanalytikers zur Psycho- oder Sextherapie legten. Nichts gegen die psychischen Aspekte, aber der Mann braucht einen ausreichend steifen Penis. „Wir waren auf dem Holzweg. Die meisten sexuellen Störungen wurzeln im Körper, nicht in der ,Seele, Psyche'. Viagra® hat in den ersten zehn Jahren, seit seiner Markteinführung 1998, mehr Probleme gelöst als die ganze Psycho- und Sextherapie in 100 Jahren.“, zieht der englische Sexologe Martin Cole nüchtern Bilanz seiner Arbeit als Seelenheilkünstler.
   Wie Viagra® wird Flibanserin vom Arzt verschrieben und in Deutschland nicht von den Krankenkassen (anders in Schweden) erstattet werden. Frauen werden sie aber auch ohne Arztbesuch über das Internet kaufen können. Der Preis einer Viagra®-Pille liegt bei 10,00 bis 13,75 Euro.

Weiterführende Literatur:
1) Jolly, E., Clayton, A. H., Thorp, J., et al.: Efficacy of flibanserin 100 mg qhs as a potential treatment for Hypoactive Sexual Desire Disorder in pre-menopausal women. Abstract accepted to the European Society of Sexual Medicine Congress, November 2009.
2) Sexual and gender identity disorders. In: American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. 4th ed. Washington, DC, American Psychiatric Association, 2000, 493-538.
3) Dennerstein, L., Koochaki, P., Barton, I., et al.: Hypoactive Sexual Desire Disorder in menopausal women: A survey of Western European women, Journ. Sex. Med., 2006, 3, 212-222.
4) Dennerstein, L., Hayes, R., Sand, M., et al.: Attitudes toward and frequency of partner interactions among women reporting decreased sexual desire, Journ. Sex. Med., 2009, 6, 1668-1673.
5) Basson, R.: Women’s sexual dysfunction revised and expanded definitions, CMAJ, 2005, 172, 1327-1333.
6) Jolly, E., Clayton, A. H., Thorp, J., et al.: Efficacy of flibanserin 100mg qhs as a potential treatment for Hypoactive Sexual Desire Disorder in North American pre-menopausal women. Abstract accepted to the European Society of Sexual Medicine Congress, November 2009.
7) Nappi, R., Dean, J., van Lunsen, H., et al.: Efficacy of flibanserin as a potential treatment for Hypoactive Sexual Desire Disorder in European pre-menopausal women: Results from the ORCHID trial. Abstract accepted to the European Society of Sexual Medicine Congress, November 2009.
8) Jolly, E., Clayton, A. H., Thorp, J., et al.: Safety and tolerability of flibanserin in pre-menopausal women with Hypoactive Sexual Desire Disorder. Abstract accepted to the European Society of Sexual Medicine Congress, November 2009.
9) Food and Drug Administration. Guidance for Industry Female Sexual Dysfunction: Clinical Development of Drug Products for Treatment, 2000.
10) Shifren, J. L., et al.: Sexual Problems and Distress in United States Women: Prevalence and Correlates. Obstet Gynecol, 2008, 112(5), 968-969.

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